Liveschalte zum Attentat

  • Über die bigotte Berichterstattung öffentlich-rechtlicher Medien

Als in der Türkei geputscht wurde, gab es in den öffentlich-rechtlichen Sendern zunächst kaum eine Reaktion. Während überall auf der Welt live berichtet wurde, konnte man hier gemütlich Musik hören oder den üblichen Serienquatsch anschauen, der einem Abend für Abend von unseren Sendern mit öffentlichem Auftrag so dargeboten wird.

Daran gab es viel Kritik und vielleicht wollte die ARD es gestern besser machen. Während des Attentats in München wurde stundenlang live gesendet. Zutage kam dabei kein Hintergrundwissen, wie auch, zu diesem frühen Zeitpunkt. Zutage kam dagegen, wie bigott diese Medien berichten, die Besonnenheit predigen und gleichzeitig Verdachtsmomente in die Welt setzen oder das Unheil herbeireden. Schön skandiert von Aussagen wie: Nichts Genaues weiß man nicht.

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Produktbeschreibungen für Onlineshops: nichts einfacher als das?

Texten für Einsteiger. Teil I

Wer einen kleinen Onlineshop führt, kann sich groß angelegtes Marketing nicht leisten. Und greift notgedrungen selbst zur Tastatur, um seine Produkte zu beschreiben. In Unternehmen von mittlerer Größe wird diese Aufgabe auch gern an Angestellte delegiert. Denn schließlich: Nichts ist doch einfacher, als eine Produktbeschreibung zu formulieren, oder? Dinge beschreiben, das lernt man ja schon in der Grundschule. Wie sieht das Dings aus? Aus welchem Material ist es gefertigt? Was kann man damit machen? Aber mal ehrlich: Nichts ist langweiliger als eine Produktbeschreibung, die nur Produktdetails aufzählt. Und nichts ist überflüssiger, als eine Produktbeschreibung, der überhaupt keine wissenswerten Informationen zu entnehmen sind.

Produktdetails sind wichtig. Aber nur Begeisterung verkauft.

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Das falsche Signal. Gedankensplitter zu einer abgedroschenen Phrase

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Nachrichtensendung, Talkshow, Dokumentation: Wo immer öffentlich und publikumswirksam debattiert wird, da ertönt es: das falsche Signal. Nicht als Störsignal in der Übertragung der Sendung. Sondern im Sendungsbewusstsein. Die Steuerpläne der Bundesregierung, Rabattschlachten im Marketing, Gerichtsurteile, Betreuungsgeld, Studiengebühren oder diplomatische Zurückhaltung – alles falsche Signale. Ganz besonders beliebt im Moment: die Rentenreform. Das falscheste aller Signale.

Beispiele seht ihr hier:  Das falsche Signal.

Nicht die Botschaft ist falsch, sondern das Signal

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Kaufen Sie Halterungen ohne hässliche Saugnäpfe!

Eigentlich wollte ich mich ja nur über Smartphone-Halterungen fürs Auto informieren. Gefunden habe ich dann aber ein beeindruckendes  Beispiel dafür, was den Unterschied zwischen der sorgfältigen Planung und Konzeptionierung einer Website und deren Befüllung mit Billigtexten ausmacht. Zumindest was mich anbelangt, ist die Absicht, Neukunden über die Website zu gewinnen, nicht aufgegangen. Warum das so ist, lässt sich an vier typischen Fehlern, die sich in zahlreichen Produktbeschreibungen wiederfinden, rasch zeigen.

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Best Blog Award – danke für das Blogstöckchen!

Puh, das schlechte Gewissen. Mein ureigener Fortbildungsmarathon und ein volles Auftragsbüchlein gingen vor und vor und vor … Und mein Blog? Das große Schweigen. Und mitten hinein wirft mir ganz unerwartet Ulrike Hecker von ihrem wunderschönen Bambooblog  ein Blogstöckchen zu. Mit Fragen, die auf den ersten Blick einfach zu beantworten scheinen … aber was ist schon einfach für eine, die sich so ungern festlegen lässt …

Nun denn, es ist vollbracht. Ich nehme dankend an und reiche gern weiter. Die Regeln?

Die tradierten Regeln für den Best-Blog-Award lauten:
1. Einfach einen Post zum Thema verfassen, das Bildchen vom Award einfügen und mit demjenigen verlinken, der ihn dir verliehen hat.
2. 11 Fragen beantworten.
3. 10 weitere Blogger taggen und ihnen 11 Fragen stellen.
4. Die 10 Glücklichen mit einem Kommentar auf den Award aufmerksam machen.

Seid ihr dabei?

Hier zunächst meine Antworten auf Ulrikes Fragen: Weiterlesen

„Seien Sie doch froh, dass nichts passiert ist!“

Polizeilich verordnetes Reframing *

Es klingelt. Nicht einmal, nicht zweimal, gleich dreimal. Lang und laut und mit nur ganz kurzer Unterbrechung. Und noch ein viertes Mal. Die Person, die gestern Abend vor unserer Haustür stand, musste es offensichtlich eilig haben. Rasch lief ich die Treppe hinunter. Vor mir stand eine Polizistin, die nach einem Herrn fragte, dessen Nachname an den meines Mannes erinnerte. Ob der hier wohne? Ja, tue er. Was denn los sei? Sein Auto sei angefahren worden.

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„Darüber darf man ja eh nicht reden.“

Wahrheiten basteln für Anfänger

Die Lüge ummantelt sich gern mit zerfaserten und zerfaselten Wahrheiten. Davon leben gegenwärtig zahlreiche Kraut-und-Rübengespräche, in denen sich jeder lang und breit zu allem und jedem äußert. Um dann zu bedauern, dass man in diesem Lande die Wahrheit ja eh nicht mehr sagen dürfe. Der Beginn ist eigentlich immer derselbe: Jemand wirft erregt eine Nachricht in die Runde, die er irgendwo gelesen oder gehört hat. Die hat er zwar nicht wirklich überprüfen können, dafür passt sie aber perfekt in sein Weltbild. Sehr beliebt sind beispielsweise Meldungen, denen zufolge Deutschen (also den richtigen Deutschen) irgendwas weggenommen werden soll, Katholiken Brunnen vergiften oder irgendein Weltuntergang bevorsteht, an dem wahlweise die Juden, die Moslems, die Maya, der Papst, Außerirdische oder Frau Merkel schuld sind. Es können aber auch historische Wahrheiten sein, so etwas wie: Der Zweite Weltkrieg hat gar nicht stattgefunden/ist nur aus Versehen passiert/war eine Planung der Schappaluten! Oder: Historiker haben herausgefunden, dass schon seit dem 18. Jahrhundert Pläne bestehen, die Bundesrepublik zu vernichten. Oder: Schon zur Zeit von Jesus wollten die Juden Weihnachten abschaffen. Wenn du dir selbst eine solche Wahrheit basteln und sie verbreiten willst, lies diese kleine Anleitung. Weiterlesen

Aus dem Korrekturkästchen: Ein bisschen Plagiieren gibt es nicht

Ein paar Wörter umzustellen, reicht nicht aus, um dem Plagiatsvorwurf zu entgehen. Worauf Studierende achten sollten, skizziert der folgende Beitrag.

Geübten Lesern fallen Plagiate auf. Auch ohne maschinelle Überprüfung.

Wird mir eine Arbeit zur Korrektur anvertraut, passiert es bei der Fehlersuche zunehmend häufiger, dass mir einzelne Textpassagen auffallen, die so ganz und gar nicht ins Gesamtbild passen. Fehlerfreie Sätze, im reichhaltigen Nominalstil, mit passenden Funktionsverbgefügen, korrekter n-Deklination und was sonst so alles zum wissenschaftlichen Klappern gehört. Manchmal ist es auch nur eine winzige Änderung im Stil, im Rhythmus, in der Betonung. Das ist dann der Moment, in dem ich einen solchen Satz kopiere, ihn in eine gebrauchsübliche Suchmaschine eingebe und feststelle, dass mich mein guter Riecher mal wieder nicht getäuscht hat. 1:1 übernommen, allenfalls ein Komma fehlt. Gebe ich dieselbe Passage anschließend in einen kostenlosen Plagiatsfinder ein, schlägt dieser nicht unbedingt Alarm. Ich habe wohl doch mehr Erfahrung, was das Aufspüren von Plagiaten anbelangt. Auch wenn mir überhaupt nichts daran liegt. Weiterlesen

Zählmarken der VG Wort für Texte im Internet

Plug-in erleichtert die Eingabe und Erfassung

Bin schon wieder begeistert. Und wie! Nachdem ich es überall hatte jauchzen hören – Auszahlung von der VG Wort für Texte im Internet steht an –, dachte ich mir, ich könnte doch auch mal versuchen, die Anleitung zum Einbauen der Zählmarken zu verstehen. Schließlich ist es schon lange her, dass ich etwas zu Papier gebracht habe, das meiste landet nun im Netz. Tja, wer die hauseigene Anleitung der VG Wort kennt, versteht vielleicht mein Leiden …

Statt eines Mitjauchzens erfolgte ein tiefer Seufzer … muss ich da jetzt auch wieder ran? Würde es mir gelingen, auf meiner Baukastenwebseite und im zugehörigen Blog irgendwas zu finden, was nach einem Quelltext aussieht, in den ich den HTML-Code Marke für Marke einfügen könnte? Ehrlich gesagt, ich verstehe noch nicht mal meinen Toaster. Die technische Seite des Internets und Programmiersprech tragen für mich ganz eindeutig ein blaues rotes Lichtschwert. Gehören auf die dunkle Seite der Macht. Aber mir und allen, denen es ähnlich geht, kann geholfen werden.

Eine kurze Suche führte mich auf die Seite von „Oiger“, dort fand ich den entscheidenden Hinweis: Seit Februar 2013 gibt es ein Plug-in, das sich einfach in Word Press installieren lässt. Und was soll ich sagen: Es funktioniert.

 

Installation und Anzeige

Die Installation ist denkbar einfach. Einloggen in den Admin-Bereich, nach Plug-in suchen, hereinladen, installieren, aktivieren. Fertig. Anschließend wird in der Artikelliste neben jedem Beitrag angezeigt:

-  wie viele Anschläge er umfasst (wichtig, da Prosatexte erst ab 1800 Zeichen berücksichtigt werden) und

-  ob bereits eine Zählmarke dafür eingefügt wurde.

Unterhalb der Eingabemaske für den jeweiligen Artikel erscheint nun ein Eingabefeld „VG Wort“. Dort lässt sich der Code für die Zählmarke direkt einfügen. Noch ein Klick auf „speichern“ und das, was zuvor kompliziert erschien, ist in wenigen Sekunden erledigt. Was das Programm nicht kann: Prosatexte von Gedichten unterscheiden (für Gedichte, die berücksichtigt werden sollen, ist keine Mindestzeichenzahl vorgeschrieben). Das macht aber nichts, denn auch wenn der Zähler anzeigt, dass die Mindestzeichenzahl nicht erreicht wurde, lässt sich ein Code einfügen.

Bestellt werden die Zählmarken online über die VG Wort. Der Nutzer hat die Wahl zwischen einer PDF- und einer CSV-Datei. Ich habe mir eine PDF-Datei heruntergeladen. Mithilfe des über Chip.de heruntergeladenen PDF-XChange Viewers kopiere ich den Code der jeweiligen Marke aus der Datei und füge ihn direkt ein. Um den Überblick zu behalten, welche Marke in welchem Beitrag steckt, habe ich mir zusätzlich eine einfache dreispaltige Tabelle angelegt. Ein dickes Danke an die Erfinder dieses Plug-ins!

 

 

6 Textertipps, die ich nicht mehr hören kann – nebst einer Anrufung des Lesers

So lernen Sie besser schreiben. Oder: 10 Tipps, die Ihre Texte verbessern. Oder irgendwas mit einer Zahl, Tipps und besser, einfacher, werbewirksamer. Es kommt der Moment, da verstehst du: Du musst diesem Link im Newsletter nicht folgen. Du weißt eh, was drinsteht. Wolf Schneiders Lebenswerk als Zehnpunkteprogramm. Der kleine Katechismus des Schreibens, der dazu führt, dass alles irgendwie gleich klingt. Verständlich. Kurz. Kein Passiv, kein man. Bildchen rein, Grafiken rein, Füllwörter raus. Alles richtig, aber … Schreiben ist doch kein Textetöpfern nach Anweisung. Schreiben ist auch nicht die Kunst, Wortketten von gleichförmiger Länge zu basteln. Im Schreiben bilden wir Klänge ab. Die bestenfalls auch noch was bedeuten. Texte, wie ich sie schätze, haben eine Stimme, einen Tonfall. Der – noch einmal bestenfalls – perfekt zu den Inhalten passt. Den der Leser – der aufmerksame Leser – innerlich hört. Und verändert, indem er ihm seine Stimme, seine Lesart beifügt.

Schreibtipps für Leser

Und damit sind wir bei dir, geneigter Leser. Weiterlesen