Liveschalte zum Attentat

  • Über die bigotte Berichterstattung öffentlich-rechtlicher Medien

Als in der Türkei geputscht wurde, gab es in den öffentlich-rechtlichen Sendern zunächst kaum eine Reaktion. Während überall auf der Welt live berichtet wurde, konnte man hier gemütlich Musik hören oder den üblichen Serienquatsch anschauen, der einem Abend für Abend von unseren Sendern mit öffentlichem Auftrag so dargeboten wird.

Daran gab es viel Kritik und vielleicht wollte die ARD es gestern besser machen. Während des Attentats in München wurde stundenlang live gesendet. Zutage kam dabei kein Hintergrundwissen, wie auch, zu diesem frühen Zeitpunkt. Zutage kam dagegen, wie bigott diese Medien berichten, die Besonnenheit predigen und gleichzeitig Verdachtsmomente in die Welt setzen oder das Unheil herbeireden. Schön skandiert von Aussagen wie: Nichts Genaues weiß man nicht.

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Fortschritt oder mobiler Griff ins Klo? M-WC in Barcelona 2016

Die Menge tobt, es lebe der Fortschritt. Irgendjemand setzt sich eine dieser Brillen auf, mit denen man sich nicht nur zum Idioten macht, sondern auch noch wie einer aussieht. Und was geschieht? O Wunder, es ist eine Erwähnung in der Tagesschau wert: „Wenn ich mit dem Kopf nach oben gehe, sehe ich wirklich, was über mir ist. Oder nach unten, nach links, nach rechts, hinter mir!”

Das ist mir im echten (ach nee, das darf man ja so nicht abgrenzen), also im unvermittelt erlebten Raum ja noch nie passiert! Aber noch besser ist natürlich: „Jede Kopfbewegung wird wahrgenommen.“

Klar, und nicht nur die. Und nicht nur von dir.

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Schnaps, Kohlrabiblätter und das absurde Rechtsempfinden im Supermarkt

Eben im Supermarkt: Ich stehe an der Kasse, vor mir eine 18-Jährige und ihr 17-jähriger Freund. Woher ich das weiß? Die beiden kaufen zwei Flaschen Korn. Die junge Frau erzählt der Kassiererin freimütig, dass sie die Flaschen für ihren Freund kaufe, weil der ja erst siebzehn sei. Die Kassiererin erklärt ihr, dass sie das eigentlich gar nicht wissen dürfe. Ein anderer Kunde gibt zu bedenken: „Aber wir haben das jetzt alle gehört.“ Das macht aber nichts, schließlich kennt die Kassiererin die Eltern der beiden. Und die sind doch gewiss dabei. Ich schaue mich um, weit und breit keine Eltern zu sehen. Oder meint sie: beim Flaschenleeren? Dann erklärt sie der jungen Dame noch einmal, dass sie ihr bitte beim nächsten Mal nicht sagen solle, dass sie die Flaschen für ihren minderjährigen Freund kaufe, da sie ihr sonst keinen Alkohol verkaufen dürfe. Hat sie verstanden. Abkassiert und gut.

Nun bin ich an der Reihe. Weiterlesen

„Darüber darf man ja eh nicht reden.“

Wahrheiten basteln für Anfänger

Die Lüge ummantelt sich gern mit zerfaserten und zerfaselten Wahrheiten. Davon leben gegenwärtig zahlreiche Kraut-und-Rübengespräche, in denen sich jeder lang und breit zu allem und jedem äußert. Um dann zu bedauern, dass man in diesem Lande die Wahrheit ja eh nicht mehr sagen dürfe. Der Beginn ist eigentlich immer derselbe: Jemand wirft erregt eine Nachricht in die Runde, die er irgendwo gelesen oder gehört hat. Die hat er zwar nicht wirklich überprüfen können, dafür passt sie aber perfekt in sein Weltbild. Sehr beliebt sind beispielsweise Meldungen, denen zufolge Deutschen (also den richtigen Deutschen) irgendwas weggenommen werden soll, Katholiken Brunnen vergiften oder irgendein Weltuntergang bevorsteht, an dem wahlweise die Juden, die Moslems, die Maya, der Papst, Außerirdische oder Frau Merkel schuld sind. Es können aber auch historische Wahrheiten sein, so etwas wie: Der Zweite Weltkrieg hat gar nicht stattgefunden/ist nur aus Versehen passiert/war eine Planung der Schappaluten! Oder: Historiker haben herausgefunden, dass schon seit dem 18. Jahrhundert Pläne bestehen, die Bundesrepublik zu vernichten. Oder: Schon zur Zeit von Jesus wollten die Juden Weihnachten abschaffen. Wenn du dir selbst eine solche Wahrheit basteln und sie verbreiten willst, lies diese kleine Anleitung. Weiterlesen

Liebe Gegner der Homöopathie,

wie ich hörte, versammelt ihr euch heute, an Hahnemanns Geburtstag, mal wieder, um euch öffentlich zu belustigen. Ihr wollt Globuli schlucken, um zu demonstrieren, dass diese wirkungslos sind.

Niedlich und sicher sehr spaßig.

Nun habe ich noch auf keinem Beipackzettel eines homöopathischen Präparates gelesen, dass dieses einen Herzinfarkt, Schlaganfall oder sonstige schwerwiegende Nebenwirkungen provozieren könne. Auf denen anderer Medikamente schon. Mir ist also nicht ganz klar, was ihr eigentlich beweisen wollt, außer: Homöopathische Präparate haben keine bösartigen Nebenwirkungen.

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„Jetzt hat man seine Zukunft gesichert. Ich werde Negerprinzessin.“*

Zum Bemühen um sprachliche Korrektheit in Kinderbüchern

Nein, ich will das Unwort „Neger“ nicht verteidigen. Aber in der Debatte um Pippi Langstrumpf und ihre literarischen Gefährten vermisse ich den Bezug zu dem, was Literatur auszeichnet. Astrid Lindgren schrieb weder Geschichten aus Kolonialherrensicht noch beugte sie sich gönnerhaft zu den jungen Lesern herab, um ihnen die Welt und deren korrekte Begrifflichkeit zu erläutern. Astrid Lindgren hat Weltliteratur geschaffen.

Weltliteratur für Kinder. Das ist etwas anderes, als pädagogisch wertvoll zu texten. Da werden keine Inhalte transportiert. Da darf gelogen werden, dass sich die Balken biegen. Mit dem Ziel zu unterhalten. Und mit dem Ziel, zu entlarven. Denn eine Welt, in der weiße und schwarze Kinder sich ihrer unterschiedlichen Hautfarben bewusst sind, in der sich Nord- und Südseebewohner als „ganz anders“ erkennen u n d neugierig aufeinander zugehen dürfen, ist eine erlogene Welt. Weiterlesen