Blogparade Fremdsprachen lernen

Wie man sieht, steckt mein Blog noch in den Kinderschuhen. Ich erlaube mir den Luxus, einmal einfach loszulegen. Ohne langatmiges Konzept und ohne zu wissen, wohin es mich führt. Learning by Doing. Und nehme mit diesem Beitrag erstmalig an einer Blogparade teil, zu der Ricarda Essrich aufgerufen hat. Ihre Frage lautet: Wie lernt Ihr Fremdsprachen/habt Ihr Fremdsprachen gelernt?

Et voilà, so war es bei mir:

Fremdsprachen lernen? Wozu?

Unsere Ferien verbrachten wir vor der Haustür, in verwilderten Gärten, an Bächen und auf oder hinter den Deichen, an der Weser oder auf den umliegenden Weiden. Unsere Eltern fuhren nicht in den Urlaub – und Denglisch war auch noch kein Thema. In der Schule ging‘s dann los mit Peter und Billy Ball. In winzigen Schritten, mühselig, langweilig. Wenn man in 45 Minuten gerade mal 2-3 kurze Sätze sagen lernt, ist das nicht besonders motivierend. Später kam Französisch dazu, viel mehr Auswahl gab es zu der Zeit nicht.

Wir hatten eine entzückende Lehrerin, die Frankreich über alles liebte und verzweifelt versuchte, uns etwas von dieser Liebe zu vermitteln. Von Croissants und Mode, von französischen Filmen und französischer Literatur. Nur: Wenn du niemals im Leben im Ausland warst, keine Menschen kennst, die eine andere Sprache sprechen, und dir auch nicht vorstellen kannst, dass du jemals ein anderes Leben führen wirst – wozu dann Fremdsprachen lernen? Und was nutzte es mir, zu wissen, dass Monsieur Leroc auf dem Balkon sitzt und eine Grippe hat? (Wozu überhaupt diesen ganzen Mist in der Schule lernen?)

Manches erkennt man ja auch ohne gediegene Fremdsprachenkenntnisse …

Freundschaft als Motiv, Sprachen zu lernen

Meine Einstellung änderte sich durch Nz. und Nr., Nachbarskinder und Töchter der ersten Einwandererfamilien aus der Türkei, mit denen ich mich anfreundete. Mit 14 beschloss ich Türkisch zu lernen, in einem Kurs, der von irgendeinem Bildungsinstitut kostenlos angeboten wurde. Der Lehrer sprach nur gebrochen Deutsch und der Kurs wurde von einer Dame dominiert, die bereits 10 Sprachen fließend sprechen konnte und den Dozenten von der ersten Stunde an mit Fragen zu grammatischen Details bombardierte. Die beiden unterhielten sich blendend, wir anderen verstanden kein Wort. Aber immerhin habe ich zwei Sätze gelernt:

Ben okula gidiyorum.

Ben eve gidiyorum.

Und nach Hause bin ich dann auch gegangen, alasmaladik, güle güle. Bevor ich mir einen anderen Kurs suchen konnte, war dann klar: Nz. und Nr. würden wegziehen. Nz. wurde zwangsweise verheiratet. Sie war todunglücklich. Ich hasste ihre Familie, ihre Kultur. Warum sollte ich noch Türkisch lernen wollen? Zum Glück gab es für sie ein Happy End. Die Ehe war prima, sie war glücklich. Nur für mich war kein Platz mehr, c’est la vie.

Als Deutsche im Ausland

Tja und dann ergaben sich doch die ersten Gelegenheiten, ins Ausland zu reisen. Mit 16 trampten wir (1980) nach Amsterdam, mit 17 fuhren wir in ein internationales Zeltlager in Frankreich, nahe Bordeaux. Als Touristen waren wir willkommen, als Deutsche waren wir vielen Menschen verhasst. In dem kleinen französischen Dorf, in dem wir lebten, wechselten manche Bewohner die Straßenseite, wenn sie uns als Deutsche erkannten. Im „internationalen“ Zeltlager, das uns junge europäische Menschen miteinander versöhnen sollte, wurden wir nach Nationen getrennt untergebracht – auf jedem Gruppenzelt thronte eine Landesfahne – und die Jungen spielten nach Nationen getrennt Fußball gegeneinander. Viel Gelegenheit, die eigenen Sprachkenntnisse zu testen, gab es nicht.

Ohne Begeisterung geht gar nichts

Mit 18 arbeitete ich dann für zweieinhalb Monate auf einer holländischen Insel – und lernte richtig gut Holländisch sprechen. Inklusive „Sch-Test“. Vielleicht, weil ich A. kennenlernte, die Köchin jener Jugendherberge, in der ich Betten machte und Klos putzte. Auch A. hasste Deutsche, hatte nahe Angehörige im Krieg verloren. Aber an mir hatte sie einen Narren gefressen. Und tat mir deshalb immer extragroße Portionen auf, die ich aus Gründen der Völkerverständigung natürlich auffuttern musste. Ich mochte und ich fürchtete sie. So nahmen nicht nur meine Sprachkenntnisse zu, auch mein Leibesumfang wuchs. Aber das war es mir wert. Anschließend besuchte ich, die Schulabbrecherin, noch einmal eine Projektschule, um das Abi nachzuholen, und siehe da, plötzlich hatte ich eine 1 in Englisch und eine 1 in Französisch – einfach nur, weil die Themen spannend waren und ich die Motivation endlich in mir selbst fand.

… anderes bleibt einem auch mit Sprachkenntnissen fremd …

Und genau das habe ich damals begriffen: Lernen hat wenig mit Intelligenz und nur bedingt etwas mit Methoden zu tun. Ich lerne gut, wenn ich weiß, warum oder wofür/für wen ich lerne. Sonst nix. (Ähnliche Erfahrungen durfte ich übrigens in Mathe und den Naturwissenschaften machen).

Lernen ist Silber, einfach Losquatschen spart Geld

Eine Reise nach Mexiko bereitete ich mithilfe von Spanischkassetten vor. Hätte mir nur jemand gesagt, dass man die in doppelter Geschwindigkeit abspielen muss, um Mexikaner zu verstehen. Aber egal, die hielten mich sowieso immer für eine Gringa und ignorierten es, wenn ich versuchte, Spanisch mit ihnen zu sprechen. Stattdessen testeten sie lieber ihre Englischkenntnisse an mir.

Auch in Mexiko habe ich aber etwas sehr Wichtiges gelernt: Am Schalter des zentralen Busbahnhofes hatte man mir ein Ticket für einen Bus verkauft, der schon abgefahren war. Ich versuchte mein Geld zurückzubekommen, der Ticketverkäufer schaltete zunächst auf stur. Seine herablassende Art machte mich wütend – und plötzlich purzelten die Wörter nur so aus mir heraus. Fragt mich nicht, woher sie kamen oder was ich da sagte, ob es überhaupt Spanisch oder irgendwie verständlich war – es führte jedenfalls dazu, dass ich eine neue Fahrkarte bekam. Während eines USA-Aufenthaltes bemerkte ich dann, wie schlecht mein Schulenglisch wirklich war. Und dass man eine Sprache eigentlich nur dann verstehen und sprechen lernt, wenn man sich im Zielland befindet oder mit Muttersprachlern zusammen ist. Alles andere bleibt doch irgendwie übersetzen.

Als Autodidaktin zum stummen Latinum

An der Uni versuchte ich Latein zu lernen – aber das Seminar war so chaotisch, die Lehrbeauftragte so hilflos, dass ich davon abließ. Stattdessen schnappte ich mir nach dem Studium ein paar alte, auf dem Flohmarkt erworbene Lateinbücher und paukte allein. Irgendwann hatte ich den Stoff des großen Latinums (gab‘s da noch) intus. Aber konnte ich deshalb Latein? Oder bildete ich mir nur ein, richtig zu übersetzen?

Ich kannte niemanden, der das hätte überprüfen können, also meldete ich mich zu einer Externenprüfung an. Und siehe da, von all den Prüflingen war ich die einzige, die das große Latinum bestehen wollte und diejenige, die die beste schriftliche Arbeit ablieferte. Huch, mich schreckte das eher. Und mündlich ging dann gar nichts mehr. Obwohl meine Prüfer alles taten, mir zu helfen. Und sich alle Mühe gaben, nicht laut loszuprusten, als ich eine Passage des Cicero-Textes mit „auch, wenn ich mich an dieser Stelle etwas undeutlich ausdrücke“ übersetzte. Was da wirklich stand, weiß ich nicht mehr. Nur, dass es MIR in dem Moment sehr undeutlich formuliert vorkam :) . Macht ja nichts. Meine Motivation, Latein zu lernen, war eh eine sehr eigenwillige gewesen: Ich wollte die Vulgata lesen können. Das konnte ich (damals). Ziel erreicht.

Alltag versus Ehrgeiz

Es folgten weitere Versuche, Sprachen zu lernen. Ein wenig Russisch – da ich mittlerweile Deutsch als Fremdsprache unterrichtete. Ich versprach mir davon, besser zu verstehen, warum meine Sprachschüler welche Fehler machten. Nun gut, immerhin schaffte ich es, die kyrillischen Buchstaben zu entziffern. „Harascho“ und „moloko“ sind noch hängen geblieben. Auch Hebräisch stand auf meiner Liste – schließlich wollte ich auch die Tora lesen. Leider wurde aber nur Iwrith angeboten und auch dieser Kurs fiel rasch in sich zusammen.

Der nächste und vorerst letzte Versuch galt dann der lettischen Sprache. Mein Mann ist Lette und während einer gemeinsamen Reise machte ich die schmerzliche Erfahrung, wie es ist, wenn man in geselliger Runde kein Wort versteht oder sagen kann. Für meinen Beruf war das eine lehrreiche Erfahrung, aber wiederholen wollte ich sie nicht. Naja, bis Lektion 10 ging es mit einer außerordentlich sympathischen Privatlehrerin ganz gut, aber ich glaube, was mir am meisten im Weg stand, war mein großer Ehrgeiz. Tröpfchenlernen mochte ich nie. Aber für den großen Sprung mit Anlauf hatte ich einfach zu wenig Zeit, mit Kind und Job und vielen anderen Verpflichtungen. Also blieb es auch hier bei stümperhaften Anfängerkenntnissen.

Bedauern und Hoffnung

Was ich heute bedauere: Dass ich an den Sprachen, die ich tatsächlich gelernt habe, nicht drangeblieben bin … pro Tag eine halbe Stunde, eine Sprache am Tag … das hätte sicher gereicht. Nun ist fast alles futsch. Und die Verhältnisse ändern sich. Mitglieder der Familie sprechen nicht mehr nur Deutsch, sondern auch Lettisch, Englisch, Spanisch, Niederländisch. Leben hier und dort.

Versuche ich im Ausland, mich zu verständigen, rumpeln die einmal gelernten Sprachen alle durcheinander. Nur die Englischkenntnisse sind nicht ganz so katastrophal. Aber jetzt noch einmal mit „Guten Tag, ich muss zum Arzt und was gibt es hier im Akkusativ zu essen“ anfangen, nein, das möchte ich nicht mehr. Was mich sehr freut: Meine Tochter lernt heute mit großer Begeisterung Englisch. Nach einer neuen Methode, die sich „TPRS“ nennt (Teaching Proficiency through Reading and Storytelling). Die sogar mich alte Neue-Methoden-Skeptikerin neugierig werden lässt. Was dahintersteckt, erfahrt ihr hier.

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