Wunsch der Toten

Drei Nächte atmen noch, wenn schon in dieser Stunde

die Feder still vor meinem Munde ruht

und jeder weit’re Schnitt in meine Wunde

nichts mehr bewirkt, da starr verebbt das Blut.

Drei Nächte weinen und in meinem kalten Schoß

will ich dich wiegen, leis erklingt ein frühes Lied,

doch ahnst versteinert fern den stummen Reim du bloß,

der unerhört vor Trauer weiterzieht.

 

Drei Nächte wachen, dann bin ich allein

mir Reue schuldig, längst hast du mir ja vergeben,

ersuch in Scheue meinem Schöpfer nah zu sein,

erhoff Verständnis für mein hoffnungsloses Leben.

 

 

Drei Jahre harren, bis ich erdenfrei,

bis deine Trauer mich von jeder Pflicht entbindet;

gebar mich fröhlich dann als Luftmeers Melodei,

wünsch mir dein Lachen, das von meinem Wehen kündet.

 

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Aus: Walther-Vuskans, Sabine: Atem Sein. Gedichte vom anderen Ende der Liebe.

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