„Darüber darf man ja eh nicht reden.“

Wahrheiten basteln für Anfänger

Die Lüge ummantelt sich gern mit zerfaserten und zerfaselten Wahrheiten. Davon leben gegenwärtig zahlreiche Kraut-und-Rübengespräche, in denen sich jeder lang und breit zu allem und jedem äußert. Um dann zu bedauern, dass man in diesem Lande die Wahrheit ja eh nicht mehr sagen dürfe. Der Beginn ist eigentlich immer derselbe: Jemand wirft erregt eine Nachricht in die Runde, die er irgendwo gelesen oder gehört hat. Die hat er zwar nicht wirklich überprüfen können, dafür passt sie aber perfekt in sein Weltbild. Sehr beliebt sind beispielsweise Meldungen, denen zufolge Deutschen (also den richtigen Deutschen) irgendwas weggenommen werden soll, Katholiken Brunnen vergiften oder irgendein Weltuntergang bevorsteht, an dem wahlweise die Juden, die Moslems, die Maya, der Papst, Außerirdische oder Frau Merkel schuld sind. Es können aber auch historische Wahrheiten sein, so etwas wie: Der Zweite Weltkrieg hat gar nicht stattgefunden/ist nur aus Versehen passiert/war eine Planung der Schappaluten! Oder: Historiker haben herausgefunden, dass schon seit dem 18. Jahrhundert Pläne bestehen, die Bundesrepublik zu vernichten. Oder: Schon zur Zeit von Jesus wollten die Juden Weihnachten abschaffen. Wenn du dir selbst eine solche Wahrheit basteln und sie verbreiten willst, lies diese kleine Anleitung. Weiterlesen

Aus dem Korrekturkästchen: Ein bisschen Plagiieren gibt es nicht

Ein paar Wörter umzustellen, reicht nicht aus, um dem Plagiatsvorwurf zu entgehen. Worauf Studierende achten sollten, skizziert der folgende Beitrag.

Geübten Lesern fallen Plagiate auf. Auch ohne maschinelle Überprüfung.

Wird mir eine Arbeit zur Korrektur anvertraut, passiert es bei der Fehlersuche zunehmend häufiger, dass mir einzelne Textpassagen auffallen, die so ganz und gar nicht ins Gesamtbild passen. Fehlerfreie Sätze, im reichhaltigen Nominalstil, mit passenden Funktionsverbgefügen, korrekter n-Deklination und was sonst so alles zum wissenschaftlichen Klappern gehört. Manchmal ist es auch nur eine winzige Änderung im Stil, im Rhythmus, in der Betonung. Das ist dann der Moment, in dem ich einen solchen Satz kopiere, ihn in eine gebrauchsübliche Suchmaschine eingebe und feststelle, dass mich mein guter Riecher mal wieder nicht getäuscht hat. 1:1 übernommen, allenfalls ein Komma fehlt. Gebe ich dieselbe Passage anschließend in einen kostenlosen Plagiatsfinder ein, schlägt dieser nicht unbedingt Alarm. Ich habe wohl doch mehr Erfahrung, was das Aufspüren von Plagiaten anbelangt. Auch wenn mir überhaupt nichts daran liegt. Weiterlesen